Das Grundeinkommen und die ungelöste soziale Frage

Der Impuls zur Grundeinkommensbewegung, welcher in der Schweiz nun zur Abstimmung führte, hat seine Wurzeln zu einem grossen Teil im Engagement des Unternehmers Götz Werner. Eines von Werners Hauptanliegen ist die Trennung von Arbeit und Einkommen – eine Idee, welche er seiner Ansicht nach auch schon bei Rudolf Steiner entdeckt hatte. Stephan Eisenhut setzt sich in diesem Artikel damit kritisch Auseinander und zeigt eine andere Perspektive auf. 

Stephan-Eisenhut9511Stephan Eisenhut, Volkswirtschaftler und Geschäftsführer der mercurial-Publikationsgesellschaft.

 

 

 

 

Noch nie hat ein Unternehmer mit anthroposophischem Hintergrund solch ein großes und meist positives Medienecho hervorgerufen, wie der dm-Drogeriemarkt-Chef Götz Werner mit seiner Kampagne für ein bedingungsloses Grundeinkommen. Der Grund liegt dabei nicht in der Idee selbst – die gibt es schon seit Thomas Morus Utopia[i] –, sondern darin, dass hier ein Unternehmer tätig wird, der ausgesprochen erfolgreich ist und dabei zugleich auf ein innovatives Führungsmodell setzt, welches bei seinen Mitarbeitern sehr geschätzt wird. Das Geheimnis dieses Erfolgs ist, dass die Mitarbeiter in ihrer Individualität angesprochen werden. Ein Kerngedanke dieser »dialogischen Führung« ist Selbständigkeit und Anregung der Kreativität. Letztere wird z.B. in vom Unternehmen bezahlten Theaterworkshops geschult.

Anfang 2004, also lange vor der Grundeinkommen-Kampagne, wurde Werner im Webmagazin manager-magazin.de porträtiert.[ii] Dort wurde sein anthroposophischer Hintergrund geradezu als Aufhänger für den ganzen Artikel genommen. Am Schluss legt hier Werner seine etwas radikale Auffassung über Steuern dar: »Als Unternehmer zahle ich meine Steuern sowieso nicht. Ein Unternehmer zahlt nie Steuern, sondern verkalkuliert sie. Bezahlt werden sie vom Kunden über den Preis.« Der Journalist schließt daraufhin mit einem Satz, aus dem eher Bewunderung als kritische Distanz herausklingt: »Nach einem Traumtänzer klingt das nicht«. Kein Wunder also, dass die Journalisten die Ohren spitzen, wenn ein solcher Unternehmer eine gesamtgesellschaftliche Initiative ergreift. Zumal zu einem Zeitpunkt, zu dem sich die letzten, nach Peter Hartz benannten Reformen des Arbeitsmarktes als völliges Desaster erweisen und jedem einigermaßen problembewussten Menschen klar ist, dass dringend Alternativen gefunden werden müssen.

Was heißt: Trennung von Arbeit und Entlohnung?

Die Idee des bedingungslosen Einkommens wird gerne als eine Möglichkeit der Trennung von Arbeit und Einkommen angesehen, wie sie Rudolf Steiner schon vor 100 Jahren als eine Zeitnotwendigkeit beschrieben hat. Auch Werner interpretiert Steiners Aussagen in diesem Sinne. Doch lässt sich aus Rudolf Steiners Ideen wirklich diese Konsequenz mit Recht ableiten?

Das bedingungslose Grundeinkommen kann keine volle Entkoppelung von Arbeit und Einkommen bewirken. Denn Grundeinkommen heißt, dass ein Teil des Einkommens, der ausreichend sein müsste, um die Grundbedürfnisse des Lebens zu decken, nicht durch Erwerbsarbeit realisiert werden muss, sondern durch die politische Instanz bedingungslos zur Verfügung gestellt wird. Alles, was über diese Grundbedürfnisse hinausgeht, muss somit weiterhin durch Erwerbsarbeit hinzuverdient werden. Eine volle Entkoppelung von Arbeit und Einkommen in diesem Sinne könnte nur erreicht werden, wenn ein den jeweiligen Bedürfnissen entsprechendes Einkommen ausgezahlt würde. Das ist unrealistisch. Also kann man in diesem Sinne die Arbeit nur teilweise vom Einkommen entkoppeln und die volle Trennung vielleicht als Ideal eines zukünftigen paradiesischen Zustandes denken.

Doch vielleicht hat Rudolf Steiner auch etwas ganz anderes gemeint, als er 1905 davon sprach, dass für Mitmenschen zu arbeiten und ein Einkommen zu erzielen zwei ganz verschiedene Dinge sein müssen. Steiner war ebenfalls kein Traumtänzer. Dennoch sah er die vollständige Trennung der Entlohnung von der Arbeit als einen entscheidenden Schritt zur Lösung der sozialen Frage.[iii] Seine Erläuterungen lassen sich in der Tat zunächst so verstehen, dass die Leistung nicht mehr bewertet werden soll: »Von der Anerkennung dieses Satzes, dass einer das Erträgnis seiner Arbeit nicht in Form einer persönlichen Entlohnung haben will, hängt allein der soziale Fortschritt ab. Zu ganz andern Zielen führt jemand eine Unternehmung, der da weiß, dass er nichts für sich haben soll von dem, was er erarbeitet, sondern dass er der sozialen Gemeinschaft Arbeit schuldet, und dass, umgekehrt, er nichts für sich beanspruchen soll, sondern seine Existenz einzig auf das beschränkt, was ihm die soziale Gemeinschaft schenkt.«[iv]

Und Steiner greift diese Interpretation auch gleich auf: »Nun könnte leicht jemand sagen: Wenn du forderst, dass des Menschen Existenz unabhängig sein soll von seiner Leistung, dann ist das Ideal am schönsten erfüllt beim Beamten. Der heutige Beamte ist unabhängig. Das Maß seiner Existenz ist nicht abhängig von dem Produkte, das er hervorbringt, sondern von dem, was man für seine Existenz für notwendig hält. – Gewiss, nur hat ein solcher Einwand wirklich seinen sehr großen Fehler. Es kommt darauf an, dass jeder einzelne in voller Freiheit imstande ist, dieses Prinzip zu respektieren und in das Leben umzusetzen. Nicht kommt es darauf an, dass dieses Prinzip durch allgemeine Gewalt durchgeführt wird. Es muss sich dieses Prinzip, das persönlich Erworbene und zu Erwerbende unabhängig zu machen von dem, was man für die Gesamtheit arbeitet, bis ins einzelne Menschenleben durchsetzen.«

Ebenso könnte man sagen: Wenn du forderst, dass des Menschen Existenz unabhängig sein soll von seiner Leistung, dann ist das Ideal schon ein ganzes Stück erfüllt beim bedingungslosen Grundeinkommen. Denn dann ist der Mensch unabhängig. Das Maß seiner Existenz ist nicht abhängig von dem Produkte, das er hervorbringt, sondern von dem, was man für seine Grundexistenz für notwendig hält. Der gleiche Einwand Steiners würde da zutreffen: Nicht kommt es darauf an, dass dieses Prinzip durch allgemeine Gewalt durchgeführt wird. Es muss sich dieses Prinzip bis ins einzelne Menschleben durchsetzen. Und es setzt sich erst dann bis ins einzelne Menschleben durch, wenn der »Impuls zur Arbeit« nicht von dem eigenen Nutzen, z.B. in Form eines guten Einkommens, ausgeht, sondern von der Liebe zu der Tat, die man für die Gemeinschaft verrichtet.[v] Dabei kommt es selbstverständlich nicht darauf an, dass die Arbeit, die man zu verrichten hat, eine besondere Freude bereitet, sondern darauf, dass man erlebt, dass die Leistung, die man erbringt, in der Gemeinschaft gebraucht wird. Letzteres hängt für Steiner aber auch elementar damit zusammen, welche Weltanschauung in dieser Gemeinschaft wirksam ist.

Ich möchte behaupten, dass der Erfolg der dm-Drogeriemärkte zu einem großen Teil darauf zurückzuführen ist, dass die dort arbeitenden Menschen verspüren, dass von der Unternehmensleitung ein anderer Geist ausgeht und sie daher einen starken Impuls zur Arbeit empfangen. Götz Werner hat es verstanden, da Anregungen Steiners umzusetzen. Deshalb hat er es nicht nötig, irgendwelche Prämiensysteme einzurichten, um durch die Appellation an den Eigennutz die Mitarbeiter zu guten Leistungen anzuregen. Es ist die geistige Atmosphäre selbst, aus der diese Anregung kommt. Der Impuls zur Arbeit muss ganz unabhängig werden von der Entlohnung, die man durch die Arbeit erzielt. Ein anderes ist die Bewertung der Arbeit. Wenn ein Unternehmen schlechte Leistungen erbringt, dann wäre doch sicherlich Götz Werner der letzte, der verhindern würde, dass es von einem anderen Unternehmen vom Markt verdrängt wird. Die Kunden bewerten selbstverständlich die Leistungen, die ein Unternehmen erstellt. Ebenso muss ein Unternehmer Maßnahmen treffen, wenn seine Mitarbeiter oder er selbst schlechte Leistungen erbringen. Denn sonst kann das Unternehmen bald keine Abnehmer für seine Produkte finden. In diesem Punkt ist Steiner ebenfalls ganz »marktradikal«. Eine Ware oder Dienstleistung, die niemand haben will, muss auch nicht produziert oder erstellt werden.

Aufteilung der gemeinsam erarbeiteten Wertschöpung

Waren müssen in einer arbeitsteiligen Wirtschaft auf Märkten gehandelt werden und dort einen freien Preis erzielen. Anders verhält es sich bei der Arbeit. Man sagt heute zwar, die Arbeit werde auf dem Arbeitsmarkt für einen bestimmten Preis – den Lohn – gekauft, doch erfasst man mit einer solchen Aussage nicht den wirklichen Vorgang. In Wirklichkeit tritt ein Mensch in ein Unternehmen ein, in dem er mit anderen Menschen gemeinsam Leistungen erstellen soll. Der Unternehmer erbringt in diesem Unternehmen vorwiegend geistige Leistungen. Er organisiert und überwacht in der Regel die Produktionsabläufe und den Absatz. Dabei arbeitet er mit Menschen zusammen, die zum Teil auf Anweisung und zum Teil völlig selbständig mehr oder weniger materielle Leistungen erstellen.[vi] Am Ende dieses Prozesses steht ein Produkt, das in der Regel die Bedürfnisse des Kunden befriedigt und einen entsprechenden Erlös erzielt. In Wirklichkeit bezahlt der Unternehmer daher dem Arbeiter immer einen Anteil des Erlöses der gemeinsam erbrachten Leistung.

Für Steiner ist es nun ungeheuer wichtig, dass eine Verständigung über diese gemeinsam erbrachte Leistung erzielt wird und dabei der Anteil eingeschätzt wird, den die Beteiligten jeweils erbracht haben. Denn in einer solchen Verständigung entsteht notwendigerweise ein Bewusstsein über das, was die geistige Organisationskraft bewirkt hat und das, was durch die mehr materiellen Leistungen beigetragen wird. Das Bewusstsein für die Bedeutung der geistigen Organisationskraft tritt aber heute gerade deshalb zurück, weil der Unternehmensleiter – durch die Rechtsverhältnisse bedingt – den »Arbeitsleistern« aus einer Machtposition gegenübertritt. Nach heutigem Verständnis gehören die Erlöse für die gemeinsam erbrachten Leistungen nämlich prinzipiell dem Unternehmer bzw. den Kapitaleignern, die die »Arbeitnehmer« daraus »entlohnen.« Der Unternehmer tritt den Arbeitsleistern daher nicht in seiner Funktion als geistiger Arbeiter entgegen, sondern als jemand, der sich aufgrund bestehender Eigentumsrechte besser abfinden kann als die anderen. In den Verhandlungen über die Höhe des Lohns – besonders deutlich wird dieses bei den Tarifauseinandersetzungen zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften – tritt das Bewusstsein für die geistige Leistung des Unternehmers völlig zurück. Vielmehr entsteht die Empfindung, ein geistiger Leiter ist jemand, der es versteht, sich bessere Machtpositionen zu verschaffen, so dass er sich selber besser abfinden kann. Dadurch aber wird auch insgesamt das Bewusstsein dafür getrübt, was das Geistesleben im sozialen Organismus leistet. Ein Bewusstsein darüber hat für eine zukünftige, gesunde Entwicklung eine enorme Bedeutung.

Freie Anerkennung von Geistiger Arbeit

Steiner ging es nicht nur darum, dass sich die materiellen und geistigen Arbeiter in den Unternehmen frei bewerten lernen,[vii] sondern, dass auch insgesamt genauer empfunden wird, welcher Anteil der gesamten wirtschaftlichen Leistung auf die Wirksamkeit des kulturellen Lebens zurückzuführen ist. Dem freien geistigen Arbeiter sah er hierbei eine hohe Verantwortung zukommen. Dieser habe selbst dafür zu sorgen, dass bei den Menschen eine freie Empfänglichkeit für die geistige Leistung entstehe.[viii] Das Geistesleben muss gewissermaßen einen starken Sog entfalten, durch welches im Wirtschaftsleben überschüssiges Kapital angesaugt wird. Ein Geistesleben, welches für den Fortschritt der Menschheit sorgen will, darf sich das Kapital nicht aufgrund einer Machtstellung aneignen. Als Gegenbild hierzu kann angesehen werden, was gegenwärtig auf den globalen Finanzmärkten geschieht. Hier hat man es mit einer Art im materiellen Strom untergegangen »negativem Geistesleben« zu tun, welches mit enormer Macht alles Kapital für seine Zwecke an sich zieht.

Berücksichtigt man diese Aspekte, so wird man verstehen, dass es Rudolf Steiner mit der Trennung der Entlohnung von der Arbeit niemals darum ging, eine abstrakte Alimentierung von Grundbedürfnissen festzulegen, sondern darum, dass die Verteilung auf der Ebene festgelegt wird, in der sich die Menschen konkret begegnen und verständigen. Und er hatte keine Sorge, dass die Wirtschaft ihre zweite Aufgabe, die Menschen mit dem für ihre Konsumbedürfnisse benötigten Geld auszustatten, auch wahrnehmen kann, wenn der Staat die entsprechenden rechtlichen Grundlagen schafft und zugleich ein solches geistiges Leben entfaltet wird, das in den Menschen die rechten Impulse zur Arbeit entzündet. Innerhalb eines Geisteslebens, welches einen solchen Sog entfalten kann, würden auch die Menschen zu sinnvollen Tätigkeiten gelangen, die gerade durch die geistige Tätigkeit von der Notwendigkeit zur materiellen Produktion befreit werden. Und sie würden bei diesen Tätigkeiten ein angemessenes Auskommen finden können, ohne dass der Staat als Vermittler eintritt, da das überschüssige Kapital verbraucht werden muss. Eine Gesundung des sozialen Organismus ist nicht wirklich denkbar, ohne dass ein solches geistiges Leben entfaltet wird. Denn das Geistesleben ist das aufbauende, heilende Element im sozialen Organismus.[ix]

Die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens setzt an den gegenwärtigen Symptomen an. Sie beseitigt jedoch nicht die wirklichen Ursachen der Probleme. Sie könnte sogar dazu führen, das System des auf Eigennutz bauenden herrschenden Geisteslebens zu stützen, weil es ermöglicht, »… dass der Gutverdienende und Kapitalist in Ruhe seine Arbeit machen kann.«[x] Wenn diese Arbeit darin besteht, dass der Kapitalist seine Eigentumsrechte an den Produktionsmitteln lediglich zu seinem Eigennutz verwendet, wird es nicht besser werden.[xi]

Grundeinkommen als Denkanregung

Es nicht die Absicht dieses Aufsatzes, diese Initiative schlecht zu reden. Gerade die Initiative, mit der Götz Werner an die Öffentlichkeit getreten ist, wird ihren wahren Wert erst dadurch bekommen, dass sie in möglichst vielen Menschen dazu anregt, über die soziale Frage nachzudenken. Und letzteres ist ein erklärtes Anliegen von Werner. Er will keine politische Initiative lancieren, sondern zu neuen Gedanken in den Menschen anregen.

Dabei versteht sich Götz Werner sicherlich nicht in dem Sinne, das er sagen will: »Da seht einen, der versteht, welche sozialen Einrichtungen nötig sind; wie er es meint, so wollen wir es machen.«[xii] Der Gedanke des bedingungslosen Grundeinkommens ist daher eine Anregung, darüber nachzudenken, wie man in der gegenwärtigen Situation etwas anderes machen könnte. Er ist aber keine Heilslehre. Deshalb ist es erforderlich, ihn möglichst umfassend auszuloten und auch seine Gefahren zu kennen. Ebenso sollten Alternativen gedacht werden. Dieses schult das Denken und macht es beweglich, was wiederum eine elementare Voraussetzung für die dringend notwendige Erneuerung des Geisteslebens ist.


Dieser Artikel ist eine gekürzte Wiedergabe des Artikels: „Ein Drache mit vielen Köpfen. Das Grundeinkommen und die ungelöste soziale Frage“, welcher in dem Magazin die Drei 2/ 2006 erschienen ist. Weitere Texte von Stephan Eisenhut sind über die Website www.diedrei.org erhältlich.


[i] Vgl. Y. Vanderborght/ Ph. Van Parijs: Ein Grundeinkommen für alle? Geschichte und Zukunft eines radikalen Vor- schlags, S. 15 f.

[ii] www.manager-magazin. de/koepfe/unternehmerar- chiv/0,2828,284159,00.html

[iii] Vgl. Rudolf Steiner: Geisteswissenschaft und soziale Frage, in: Lucifer-Gnosis 1903-1908 (GA 34), S. 213.

[iv] Im 1908 in Hamburg gehalten Vortrag »Geisteswissenschaft und soziale Frage«, erschienen in: Rudolf Steiner: Die Welträtsel und die Anthroposophie (GA 54), S. 101, wird dieses wörtlich so ausgesprochen.

[v] 9 a.a.O. S.99.

[vi] Dies ist methodisch gemeint. Der Unternehmer steht hier als Bild für den geistigen Arbeiter im Unternehmen, seine nicht unternehmerisch tätigen Mitarbeiter stehen als Bild für die materiellen Arbeiter. Völlig unabhängig davon kann es in einem Unternehmen selbstverständlich so sein, dass ein nicht unternehmerisch tätiger Mitarbeiter wesentlich geistigere Tätigkeit in den Unternehmen vollbringt, als der Unternehmer. Das tangiert allerdings nicht das hier gemeinte Prinzip.

[vii] Dieses ist bei Steiner ebenfalls methodisch zu verstehen. Es wäre natürlich lebensfremd, wenn jemand, der gerade in ein Unternehmen eintritt, die geistige Leistung des Unternehmers bewerten sollte. In der Praxis wird sich für die verschiedenen Tätigkeiten eine gewisse Wertordnung ergeben, an der man sich orientiert. Die Unternehmen werden sich Gehaltsordnungen geben, die sich an den allgemeinen Werten orientieren. Gesonderte Bewertungen werden nur bei ganz individuellen, geistigen Leistungen nötig werden. Diese Gehaltsordnungen können auch andere Komponenten als die der Leistung erhalten, durch die die unterschiedlichen Lebenssituationen der Mitarbeiter Berücksichtigung finden. Wichtig wäre nur, dass solche Gehaltsordnungen von Zeit zu Zeit neu besprochen werden und dass dabei deutlich wird, dass sich Arbeitsleiter und Arbeitsleister auf der Ebene der rechtlichen Gleichheit begegnen.

[viii] Vgl. Rudolf Steiner: Die Kernpunkte der sozialen Frage (GA 23), S. 80 f., S. 84 und S. 120.

[ix] Eine ausführlichere Beschreibung der Aufgabe des Geisteslebens, einen Sog zu entfalten, findet sich in meinem Beitrag zur »Kapitaltheorie« Rudolf Steiners, in: Roland Benedikter (Hrsg.): Postmaterialismus, Bd. 5, Das Kapital, Wien 2005.

[x] Diesen Grund für ein staatliches Grundeinkommen führt Thomas Straubhaar, der Direktor des Hamburger Weltwirtschaftsinstitutes im Wirtschaftsmagazin »brand eins« (Heft 7, 2005, S. 62) an.

[xi] In den Kernpunkten der sozialen Frage, S. 124 ff., zeigt Rudolf Steiner, dass das Eigentum an Produktionsmitteln in einer arbeitsteilig organisierten Gesellschaft nur solange bestehen sollte, wie es durch den Eigentümer durch dessen individuelle Fähigkeit in den Dienst der Gemeinschaft gestellt werden kann. Es entspricht daher ganz der Forderung des sozialen Hauptgesetzes, dass der Unternehmer sein Einkommen nicht aus diesem Eigentumsrecht bezieht, sondern allein daraus, wie die Gemeinschaft seine Leistung mit diesem »Treuhandeigentum« eingeschätzt wird. Der Übergang auf einen neuen Eigentümer kann daher sinnvoll nur durch eine Art Schenkung erfolgen.

[xii] Rudolf Steiner in der Vorrede der »Kernpunkte der sozialen Frage«, S. 7.

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